15. Juni 2021
Vom Bedürfnis nach einem Feind
Die abendländische Gesellschaft, der wir angehören, arbeitet gefühlsmäßig wie geistig ausschließlich im binären System. Wir haben A oder nicht-A, mehr nicht. Anders als der Nahe Osten, der alles zu A zusammenzieht und verkürzt, oder als der Ferne Osten, wo etwa der Inder darauf „angelegt“ ist, im Tetralemma zu denken: A oder nicht-A, A und nicht-A, weder A noch nicht-A.
Der Dualismus ist eine Konstante der abendländischen Seele; nur dass dieses Merkmal unseres Denkens, statt feiner und ausgearbeiteter zu werden, uns seit Jahrzehnten vom kartesischen Dualismus in einen Bogomilismus im Manele-Stil abgleiten lässt.
Was wir heute erleben, ist beispielhaft für das eben Gesagte.
Denn die abendländische Gesellschaft, deren zweiter Wesenszug kriegerisch und ausgreifend ist, zeigt uns heute, dass ihr in einer Welt, die sie wirtschaftlich und kulturell überrannt und „globalisiert“ hat, der Treibstoff ausgegangen ist: Ihr sind die Feinde ausgegangen!
Das heißt, wir leiden akuten Mangel an nicht-A.
Daher das ständige Bedürfnis, immer neue Feinde zu entdecken, sichtbare und unsichtbare! Ohne sie ginge die abendländische Welt zugrunde, sie implodierte aus offenkundigem Mangel an geistiger und seelischer Substanz — Folge der Selbstzerstörung des einzigen Elements, das dem Abendland Gehalt und Sinn gab, und damit meine ich natürlich das Christentum.
Doch kehren wir zu den Feinden zurück. Was sonst könnte eine geistig, sittlich und gesellschaftlich zerfallende Bevölkerung noch zusammenhalten und zur Ordnung rufen als „der Feind“? Wie könnte man eine solche Bevölkerung vollkommen beherrschen, wenn nicht dadurch, dass man ihr sagt: „Der Feind ist nah!“, „Der Feind hört mit!“ … oder, wie die Manele-Sänger: „Die Feinde tragen mir etwas nach …“
Deshalb ist die abendländische Gesellschaft auf der Suche nach Feinden! Dieser Tage sagte uns der Generalsekretär der NATO wieder, „der Feind ist nah“ … schließlich konnte er nicht genau sagen, worin die Gefahr besteht, womit wir bedroht sind, aber klar ist, dass dieser Feind existiert: Ist es China, ist es Russland, sind es beide? Es ist nicht einmal wichtig! Hauptsache, wir haben einen Feind. Wozu sollten wir „Verbündete“ sein und Hunderte Milliarden für Waffen zahlen, wenn es keinen Feind gibt? „Das Leben wäre eine Wüste“ …
Doch während die Militärs einen sichtbaren, benennbaren Feind brauchen (bis sie natürlich die bevorstehende außerirdische Invasion verkünden!), muss der Feind für die Politiker und den Tiefen Staat unsichtbar bleiben: Terroristen (heute weniger) und vor allem Viren! Viren, die den Nächsten ohne Maske, ungeimpft, undiszipliniert in einen Feind verwandeln! Heute, seit dem Plandämonium, leben wir in einer Welt mit fast 8 Milliarden Feinden! Was Besseres hätten sie für unsere engen und schiefen Köpfe und Seelen finden können?
Deshalb halte ich eine „vierte Welle“ um September–Oktober für recht wahrscheinlich, vielleicht aber auch COVID-24 … wer weiß?
Wozu alles, was ich Ihnen gesagt habe?
Zu nichts! Nur damit wir begreifen, dass „der Feind nah ist und mithört“ … denn dieser Feind verbirgt sich in uns selbst: Es ist unsere Art zu sein und zu denken … solange wir diesen furchtbaren Feind nicht besiegen, werden unsere Herren und unsere wahren Feinde uns weiter Manele über Feinde vorsingen … und wir werden ihnen glauben! und einander zu Tode hassen!
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