11. Dezember 2020
Im Zeichen des Hasses
Seit dreißig Jahren werden wir in den Hass hinein und mit Hass indoktriniert. Wir leben im Hass, wir nähren uns vom Hass, wir lieben mit Hass, wir sterben am Hass.
Man speist und tränkt uns mit Galle!
Das Böse ist der andere. Der „Nächste“ ist jedes Mal die Ursache unseres Misslingens und unseres Scheiterns, die Ursache unseres persönlichen Untergangs. Und auch des gesellschaftlichen! Wäre der andere nicht gewesen … die Dinge stünden anders, die Welt wäre anders: ich hätte alles gehabt, die Welt wäre mein gewesen!
All dies hat seinen Ursprung in der planmäßigen Aufblähung des Ichs, die von den ersten Schuljahren an systematisch betrieben wird. Und das ist nicht von gestern, nicht von heute, nicht einmal von 1989! Nein, daran wird seit mindestens hundert Jahren gearbeitet, wenn nicht seit 1789, seit der Mensch allein zurückblieb, ohne Gott, ohne Aussicht, seit ein schlaffer und vager „Humanismus“ nicht aufhört, sich immer roher und brutaler zum „Individualismus“ zu verfestigen.
Und dafür trägt die Schule die erste Verantwortung!
Zieht man die Bilanz, so ist das Einzige, was uns aus der Schule wirklich bleibt … der Hass! Du musst „Einser“ sein, der Beste sein, alle bei den Olympiaden, bei den Wettbewerben übertreffen. DU musst der Beste sein. DU musst sein! Der Rest zählt nicht.
Übersteigerte Ichheit und Individualität sind im Dasein des modernen und postmodernen Menschen axiomatisch geworden; sie wurden Lehre, wurden jenes „-ismus“, der die alte gesellschaftliche Ordnung, die Gemeinschaft, die Gemeinsamkeit zersprengt hat — allesamt zu klein, zu eng geworden für das Ich, das im Zeitalter des Individualismus zum einzigen Zweck geworden ist.
Das Individuum ist wichtiger als alles: als die Familie, als die Gesellschaft, als die Nation! Wer ist noch bereit, sich zu opfern, für jemanden oder für etwas zu sterben? Niemand. Denn niemand glaubt heute mehr, dass irgendetwas wichtiger sei als er selbst. Denn heute beginnt alles mit dem Selbst, geschieht nur für das Selbst und endet mit dem Selbst. Der Feind des modernen Menschen ist alles, was das Ich begrenzt oder verneint: Gott, der Glaube, die Familie, die Gemeinschaft, das Volk, die Nation!
Der Individualismus ist letztlich nichts anderes als die Quelle, die einzige notwendige und hinreichende Ursache des Globalismus! Und dies, weil das Ich keine anderen Grenzen erträgt als jene, welche die es nährende Vernunft wahrnimmt: den Globus. Ja, selbst die Erde scheint dem Ego des Menschen zu eng zu bleiben …
Mit anderen Worten: die Ursache der Globalisierung, des Globalismus, ist nicht in den heutigen politischen Lehren zu suchen. Denn die „politischen Strömungen“ tun nichts, als zu entzweien und große gesellschaftliche Klassen, Berufsgruppen, Menschenarten, Rassen zum Hass aufzuwiegeln. Wir hatten den Klassenhass — die Reichen hassten die Armen und umgekehrt; den Rassenhass — alle hassten einander, weil wir andere Farben haben; den konfessionellen Hass — weil wir diesen oder jenen Glauben haben oder nicht haben, und neuerdings, weil wir überhaupt einen Glauben haben; den Hass jeder Gruppe von Menschen gegen eine andere Gruppe, gegen alle übrigen, weil sie nicht sind wie sie. Doch noch band der Hass sie aneinander; der Hass gab lange Zeit eine Gruppenidentität; der Hass war noch der kleinste gemeinsame Nenner. Und er ist es noch — das sieht man an allen sogenannten politischen Grüppchen unserer Tage.
Nur befriedigt Gruppenhass das Ich nicht hinreichend. Denn in jeder organisierten Hassgruppe darf jeder glauben, nicht wahr, dass er härter, heftiger hasst als der andere. Er ist der Erste im „Hassen“, er ist der Würdigste, der vorderste „Hasser“ zu sein … ich weiß, ich strapaziere die Nähte der rumänischen Sprache, die sich für so viel Hass als zu eng erweist — daher die Lehnwörter *heităr*, „Hater“, und *heităreală*, „Haterei“.
Verstehen wir die schmerzliche Wirklichkeit unserer Tage: das pandäm(on)ische Tierchen bringt (zufällig oder nicht) dem aufgeblähten Ich, dem im Individualismus indoktrinierten „Hater“, nichts als den äußersten Grund für seinen ganzheitlichen, verallgemeinerten Hass: der Feind ist der Nächste, mit oder ohne Maske; der andere ist die Ursache Meines Todes; die anderen, alle anderen, sind gegen mich!
In der Tat ist der Hass in unseren Tagen zur Staatsdoktrin geworden, ja mehr noch, zu einer offiziellen globalen Doktrin — die erste gemeinsame Lehre, und was uns „eint“, ist der Hass, die Lehre des Hasses!
Und die Lehre des Hasses ist nichts als das natürliche Korollar des Individualismus; sie ist der gemeinsame Nenner der globalisierten und globalistischen Welt von morgen.
Doch da ich weiß, dass nicht nur der Gegenstand, sondern auch allzu vieles Schreiben den Hass des Lesers heraufbeschwört, dem ich seine Zeit stehle, ermahne ich Sie: hassen Sie nicht mehr! Haltet den Hass an, und es wird uns gewiss besser gehen.
Ich erhebe keinen Anspruch auf Originalität dieser Botschaft, im Gegenteil: die Gemeinschaft in der Gemeinde, die Liebe zum Nächsten und die Zerknirschung des Herzens, das Erlöschen des Ichs sind die Grundlagen aller Überlieferungen, aller Religionen der Welt.
Da ich aber weiß, dass allein die Erwähnung des Wortes Religion oder Gott manche Empfänger meines Wortes von vornherein ausschlösse, fasse ich alles postmodern, vorapokalyptisch zusammen:
#HasstNichtMehr!
#StopptDenHass!
#SchlussMitHass!
Den Beitrag auf Facebook suchenDas Facebook-Archiv bewahrt keine dauerhaften Adressen der Beiträge, und dieser Eintrag hat kein Lichtbild, aus dem sich eine Adresse rekonstruieren ließe. Der obige Knopf öffnet unmittelbar eine Suche nach einer Phrase aus dem Text, auf der Seite des Autors.

Kommentare
Sagen Sie Ihre Meinung. Kommentare erscheinen nach der Freigabe.