25. Februar 2021
Die unsichtbaren Menschen
Dieser Beitrag handelt von den unsichtbaren Menschen. Und von niemandem.
Ja, es gibt unsichtbare Menschen. Ich habe unsichtbare Menschen gekannt.
Zum Beispiel Iulica. Eine Frau von etwa 55 Jahren, die einige Dutzend Meter von meinem Haus entfernt wohnt.
Sie ist von jener Art Frau, die die Gemeinschaft für verrückt, für unnormal hält … eben sie, die Gemeinschaft, die so un-gut, so a-normal ist; sie haben diese Frau gerichtet und als verrückt abgestempelt, sie, die zu den Menschen um sie herum immer gut war.
Sie kam stets, um ihre Hilfe anzubieten, um irgendetwas zu tun … und nie hat sie Geld verlangt! Und wenn man ihr ein paar Lei anbot und sie es für zu viel hielt für das, was sie getan hatte, gab sie den „ungebührlichen“ Teil des Geldes zurück, und man durfte ihre Entscheidung nicht missachten.
Niemand klopfte an ihre Tür. Sie kam, wenn sie etwas brauchte, und bat um ein paar Scheiben Brot … oder um ein Stück Fleisch vom Grill … oder um ein Bier!
Nun, Iulica habe ich seit einigen Tagen nicht mehr gesehen. Weder ich noch die anderen Leute, bei denen sie vorbeikam.
Vielleicht, weil ich sie in Wahrheit nie gesehen habe. Sie war die unsichtbare Frau.
Ich war überzeugt, sie sei für ein paar Tage anderswo arbeiten gegangen.
Ich habe mich nicht geirrt!
Sie ist gegangen. Wohl um im Garten des Paradieses die Blätter zu rechen oder Dem zu helfen, der keine Hilfe braucht, so wie sie es bei uns hier tat. Sie ist für immer gegangen!
Doch ihr Leib ist noch in dem Haus neben meinem. Dort, wo er wer weiß wie viele Tage liegt …
Niemand ist hingegangen, um an ihre Tür zu klopfen. Und heute, als ich feststellte, dass ich jene nicht mehr gesehen hatte, die ich nie gesehen hatte, versuchte ich die Nachbarn zu bitten, die Polizei zu rufen, da ich es, wie üblich, eilig hatte, um nichts nach nirgendwo aufzubrechen.
Niemand aus der „Gemeinschaft“ wollte! Alle sagten: „… ich will mit der Polizei nichts zu tun haben! Weißt du, wie das ist, aussagen zu gehen?“
Niemand, mit 2 Ausnahmen, kam heraus, nicht einmal, als auf meinen Anruf hin Feuerwehr, Rettungswagen, Polizisten und Hundefänger kamen — denn eine Tierpolizei gibt es noch nicht.
Niemand.
Eine Menge von Niemand!
Eine Gemeinschaft von Niemand, die neben der unsichtbaren Frau wohnte.
Und da erinnerte ich mich:
„Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.“
Heute ist Iulica in Abrahams Schoß!
Und wir warten darauf, begraben zu werden.
Gott vergebe ihr!
Und vergebe auch uns!
Ich hoffe, es gelingt Ihm!
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