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Die Perikope des TagesDie Dritte Republik

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21. Februar 2023

Der Kanal und die Kanaille (Adrian Pătrușcă)

Motto: „Wie ein Pelikan hast Du Dich in Deiner Seite verwundet, o Wort …“

Wir haben ihnen am ersten Tag nach der Invasion die Grenzen geöffnet. Aus all unserer Armut heraus haben wir sie mit offenen und vollen Armen empfangen. Wir haben sie in unsere Häuser geladen. Wir haben sie mit uns aus derselben Schüssel eintunken lassen.

Manche freuten sich der Gastfreundschaft. Andere nahmen uns nicht einmal wahr: Sie rasten in ihren Luxuslimousinen an uns vorbei und bespritzten uns mit Schlamm.

Wir gaben ihnen alles, was sie begehrten. Wir machten ihnen sogar einen Fernsehkanal. Wir machten uns zur Fußmatte unter ihren Füßen. Wir hissten ihre Fahne an Masten neben denen der NATO und der EU.

Für unsere eigene Fahne war kein Platz mehr. In unserer ganzen Geschichte hatten wir kurze Masten.

Wir öffneten die Grenzen und ließen auf unseren verlotterten Straßen endlose Waffenkonvois durch.

Wir öffneten die Donau und ließen die Kähne mit verseuchtem, billigem Getreide nach Europa durch — Getreide, das unsere Landwirtschaft und unsere Bäuche zerstört.

Ihretwegen — angeblich, um die Russen zu lähmen — verarmen wir von Tag zu Tag.

Wir haben uns bis zum Hals in einen Krieg gestürzt, der nicht der unsere ist. Und in dem wir Gefahr laufen, ganz zu verschwinden.

Und SIE? Wie haben sie unsere Opfer behandelt?

Ein Jahr vor der Invasion erklärte Selenskyj: „Die Nordbukowina wurde von den Rumänen besetzt.“ Er hat es bis heute nicht zurückgenommen.

Die Macht in Bukarest verlor über diese Gemeinheit kein Wort. Erst 2022 wurde sie von der subversiven Presse entdeckt. Da wurden eilends die Leichenwäscher aktiviert: Sie begannen uns zu erklären, Z habe nicht gesagt, was er gesagt hat. Dass wir es falsch verstanden hätten. Dass der Sinn in der Übersetzung verloren gegangen sei.

Z ist ein guter Mensch. Z ist ein gerechter Mensch. Z ist ein Held. Z irrt nie. Nur manchmal die Übersetzer.

Zwei Wochen nach Kriegsbeginn schossen sie uns ein Flugzeug und einen Hubschrauber ab, nach einem Rezept, das sie später auch in Polen patentieren sollten. Acht Tote.

Doch Z irrt nie. Also sagte Bukarest, sie seien wegen des Windes abgestürzt.

Für den Mut, die Wahrheit ausgesprochen zu haben — dass die Nordbukowina, das Herza-Gebiet und Budschak von Rechts wegen Rumänien gehören —, setzte der Kiewer Sicherheitsdienst Professor Andrei Marga auf die Todesliste.

Er kann jederzeit hingerichtet werden. Wie Dugins Tochter.

Z ist ein gerechter Mensch, aber ein strenger.

Auch Marga ist kein Niemand. Ein echter Intellektueller, ehemaliger Bildungsminister, ehemaliger Chef der rumänischen Diplomatie.

Doch kein einziger Amtsträger in Bukarest protestierte gegen diese Todesdrohung reinsten Mafiastils. Keiner der Intellektuellen, die in ruhigen Zeiten so laut sind. Lappen protestieren nicht. Ihr Traum ist es, Fußmatten zu werden.

Unter den Füßen von Helden wie Z.

Sie verboten den Rumänen, in der Muttersprache zu lernen. Sie drangen mit dem Sicherheitsdienst in ihre Kirchen ein. Sie misshandelten und verhafteten ihre Priester.

Unsere Kirche antwortete, fein mit den Lippen schmatzend: „Sie gehören nicht zu UNS.“

Sie begannen, Rumänen auf den Straßen mit dem Lasso zu jagen und an die Front zu schicken. Damit sie für den Flecken Erde sterben, den zu besetzen man sie beschuldigt.

Z ist ein Held. Um Held zu bleiben, braucht er Kanonenfutter wie der Süchtige das Kokain.

In Bukarest kein Murren des Protests.

„Es sind IHRE Rumänen. Sollen sie ihre Pflicht gegenüber IHREM Vaterland tun.“

Hände gewaschen. Punkt. Pontius Pilatus.

Das Regime an der Dâmbovița ist zu beschäftigt damit, zu verkaufen, was vom Land übrig ist. Gott bewahre, dass uns das Kriegsende mit Ware auf Lager überrascht.

Nun sind SIE zu ihrem alten Steckenpferd zurückgekehrt: dem Bystroje-Kanal. Sie wollen ihn vertiefen. Ihn für schwere Schiffe befahrbar machen.

Das bedeutet die Zerstörung des Donaudeltas. Des letzten Reichtums, der uns geblieben ist, nachdem die Bodenschätze, die Berge, die Gewässer und die Wälder versteigert wurden.

Da die Lage allzu dick kam, sammelte unsere Diplomatie ihren letzten Rest an Mut und bat Kiew um eine Erklärung. Im Stil: „Verzeihen Sie die Störung, Sie hatten da ein Fusselchen.“

Selenskyj wies uns kurz ab: „Wir haben jetzt andere Prioritäten.“

Die Köter der Bukarester Diplomatie machten sich rasch davon, den Schwanz zwischen den Beinen, froh, mit so wenig davonzukommen. In diesem Gewerbe ist das Retten der eigenen Haut wesentlich: jeder für sich.

Es fand sich kein einziger wahrer Mann, der dem khakifarbenen Unhold eine über die Schnauze gezogen hätte.

Im Gegenteil, man reaktivierte die Lumpen der Pandemie, die eben erst damit fertig waren, sich Asche aufs Haupt zu streuen.

Sie begannen uns wissenschaftlich zu erklären, es bestehe keinerlei Gefahr: Bystroje sei nicht vertieft worden. Man habe nur ein wenig am Grund gekratzt. Alles sei unter Kontrolle.

Der Kanal ist Sicher und Effizient.

Selenskyj trifft keine Schuld: Er ist bloß ein Nichtsnutz, den andere an die Spitze gehievt haben und der seine Offshore-Konten und seine Haut verteidigt. Nicht sein Volk — sein Volk zerstört er.

Die wahren, die großen Schuldigen sind unter uns. An unserer Spitze. Überall, auf Schlüsselposten.

Politiker, Journalisten, Influencer, Intellektuelle. Die seit dreiunddreißig Jahren, gleich einem Heer von Judassen, dieses Land Stück für Stück verkaufen. Sie haben es zum Ausschlachten gegeben.

Nie war das Gift so weit verbreitet. Nie war der nationale Organismus so geschwächt. Nie war die Todesgefahr so groß.

Nie haben so viele Krähenschwärme den Himmel verdunkelt und nach unserem Aas gespäht.

Wir liegen im Todeskampf im Garten der Gottesmutter.

Die Karpaten sind unser Rückgrat, die Donau ist unser Blut, das Meer ist unser Traum und die von Andreas gebrachte Botschaft.

Alles ist vom Krebs überwuchert.

Geblieben ist das Delta … wunderbar, mystisch, zerbrechlich, geheimnisvoll … Das Delta ist der Smaragdring am Finger der Gottesmutter. Das Verlobungszeichen mit diesem Volk. Es ist unsere Seele.

Sind wir noch imstande, unsere Seele zu retten?

Wir sehen uns morgen, am 22. Februar 2023, vor der ukrainischen Botschaft in Bukarest, ab 14 Uhr.

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Thema: Der Krieg an der Grenze · Unterthema: Vom Beginn des Krieges

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